Carl Pei, CEO von Nothing, hat auf X einen ausführlichen Beitrag veröffentlicht, in dem er auf das nächste Produkt des Unternehmens einstimmt. Solche Vorankündigungen sind bei Nothing unüblich. Diesmal steht allerdings ein völlig neues Produkt bevor, das eng mit künstlicher Intelligenz verknüpft ist und sich im Wesentlichen ganz darauf konzentrieren wird.
Carl Peis Beitrag trägt den Titel „Toolmakers“, also „Werkzeugmacher“. Darin erklärt er, dass Nothing an einem von Grund auf für KI konzipierten Produkt arbeitet, das die allgemeine Produktivität deutlich steigern soll. Ein weiteres Gadget für den Konsumermarkt wolle man den Menschen damit nicht in die Hand geben.
Pei stellte ausdrücklich klar: Das Produkt soll keinem alles verändernden „iPhone-Moment“ hinterherjagen. Vielmehr wird es ein spezialisiertes Werkzeug für Wissensarbeit und effizientes Arbeiten sein, das ganz ohne Display auskommt und sich aufgrund seiner Funktionsweise nicht einfach als Smartphone-App hätte umsetzen lassen. Fest steht, dass die darauf laufende Software das Herzstück des Produkts bilden wird. Den Aussagen zufolge ist sie zu komplex, um sie als bloße Smartphone-App zu bezeichnen.
Pei zog Parallelen zur Entwicklung von Computern und Mobiltelefonen: Auch die mobile Kommunikation begann nicht mit Smartphones, sondern mit Pagern und Autotelefonen, die von Managern und Ärzten genutzt wurden. Ebenso waren PCs jahrzehntelang reine Arbeitsgeräte für Berechnungen im Büro, bevor sie sich zu Unterhaltungsgeräten für die breite Bevölkerung entwickelten.
Pei erwartet bei künstlicher Intelligenz denselben Entwicklungsverlauf. Deshalb müsse man jetzt ein Produkt schaffen, das einen echten wirtschaftlichen Mehrwert bietet und nicht der Unterhaltung von Millionen Menschen dient.
Die größte Einschränkung moderner KI-Modelle liegt laut Pei nicht in ihrer Intelligenz, sondern in ihrem mangelnden Verständnis der jeweiligen Situation. Nutzer müssen KI-Werkzeuge ständig mit den passenden Informationen versorgen und ihnen den Kontext für ihre Arbeit liefern. Sie betreiben großen Aufwand, um den fehlenden Kontext mithilfe von Screenshots, Texteingaben und App-Integrationen manuell zu ergänzen. Der „Kontext aus der realen Umgebung in Echtzeit“ werde dabei weiterhin nicht erfasst.
„Denken Sie an das letzte Mal zurück, als Ihnen jemand etwas Bemerkenswertes erzählt hat: eine Idee beim Kaffee, eine beiläufige Bemerkung, die eine aktuelle Herausforderung für Sie gelöst hat. Was haben Sie getan? ‚Einen Moment, das muss ich mir aufschreiben!‘ Sie haben Ihr Smartphone hervorgeholt, und als Sie wieder aufblickten, war der Moment schon an Ihnen vorbeigezogen. Oder Sie haben nichts unternommen, und am Ende des Tages war alles schon wieder vergessen“, schreibt Pei zur Veranschaulichung.
Die Worte des CEOs deuten auf eine unauffällige Hardware hin, die ihre Umgebung ständig beobachtet – oder ihr zuhört? – und diese „Kontextlücke“ unmerklich schließen kann. Pei kritisierte die Ästhetik herkömmlicher Bürogeräte und verwies auf historische Beispiele wie Ettore Sottsass’ Schreibmaschine Olivetti Valentine von 1969. Auch Gebrauchsgegenstände müssten bewusst industriell gestaltet werden, so sein Argument.
Konkrete technische Daten nannte Nothing zwar nicht, bestätigte aber, dass das bald erscheinende Gerät kein „neues“ Display haben wird. Es soll ein spezialisiertes Werkzeug sein und sich in Nothings bestehendes Ökosystem aus Hardware und Software einfügen. Das Unternehmen zeigte auch eine Nahaufnahme des Geräts. Daraus lässt sich allerdings beim besten Willen nicht erkennen, wie das Produkt aussehen wird.
































