DOLMETSCHER FÜR DIE HOSENTASCHE: TIMEKETTLE W4 PRO IM TEST – TECH VIBES

Die W4 Pro übersetzt in mehr als 50 Sprachen und taugt auch als Simultandolmetscher. Literarische Texte würde ich ihr aber nicht anvertrauen.
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06:00
Dolmetscher für die Hosentasche: Timekettle W4 Pro im Test – Tech Vibes

Schon wieder KI? Manche können gar nicht genug davon bekommen, und jeden Tag gibt es etwas Aufregendes oder Beunruhigendes. Andere hängt das Thema längst zum Hals heraus, weil es jede Plattform überrollt und bald wohl sogar auf Streichholzschachteln steht. Unbestreitbar hat die Technologie die Entwicklung in vielen Bereichen beschleunigt, etwa durch lernende Algorithmen. Sprachmodelle muss man ohnehin niemandem mehr vorstellen: Nicht einmal eine einfache Google-Suche kommt heute noch ohne sie aus. Da liegt es nahe, dass auch Geräte, die speziell für Übersetzung und Dolmetschen gebaut sind, die KI-Behandlung bekommen.

In dieser Rubrik waren schon zahlreiche Ohr- und Kopfhörer in verschiedenen Größen und Formen zu Gast. Doch neben Videospielen und Musik gibt es weitere Einsatzfelder für diese eigentlich auf Unterhaltung ausgerichtete Kategorie. Vor Kurzem habe ich ein Produkt zur Schlafförderung ausprobiert, nun ist mir ein bis dahin unbekannter Ansatz in die Hände und auf die Ohren gekommen: ein Dolmetschgerät, natürlich mit starker KI-Unterstützung.

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Timekettle ist ein global bedeutendes chinesisches Unternehmen, das seit zehn Jahren an immer besseren Echtzeitübersetzungen arbeitet. Die Mühe war sichtbar und hörbar nicht umsonst: Im Lauf der Jahre gewann die Firma mehrere Innovations- und Designpreise, unter anderem auf der CES, die für Technikfans einen besonderen Stellenwert hat. Heute ist Timekettle Marktführer bei KI-Dolmetscher-Ohrhörern, legt besonderen Wert auf die Geschäftskommunikation und hat die breiteste Produktpalette. Für ein Team, das als Crowdfunding-Projekt gestartet ist, nicht schlecht. Die nun vorgestellte W4 Pro ist das Topmodell der W-Serie in der höchsten Kategorie. Sie bietet Dolmetschfunktionen ohne zusätzliches Abonnement, ob beim Telefonieren, im direkten Gespräch oder beim bloßen Konsumieren von Inhalten.

Verpackung und Zubehör

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Die aufklappbare schwarze Box steckt in einer abnehmbaren Pappschachtel, die auf Vorder- und Rückseite das Produkt im Einsatz zeigt und damit sofort klarmacht, wie es getragen wird. Der schwarze Hintergrund und die zurückhaltende Menge an weißem Text unterstreichen den professionellen Anspruch. Nach dem Entfernen der Folie muss man die Öffnungslasche nicht abreißen: Es genügt, die Box vorsichtig aus dem äußeren Papierrahmen zu schieben.

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Nach dem Öffnen empfing mich in der unteren Hälfte ein überraschend großes Ladecase, in der oberen liegt ein Heft, das den Geist von Douglas Adams und sein berühmtes „Don't Panic“, auf Deutsch „Keine Panik!“, heraufbeschwört. In Ungarn hat sich übrigens eine Sprachschule diesen Slogan als Namen gewählt. Das passt gut, denn das Produkt bietet durchaus auch Möglichkeiten zum Sprachüben, auch wenn das nicht sein Hauptzweck ist. Box und Produkt wirken geschmackvoll und hochwertig, wie man es in dieser Preisklasse erwarten darf.

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Die Hefte enthalten eine nützliche, bebilderte Anleitung zur Einrichtung sowie den QR-Code zur Smartphone-App, den ich auf der Verpackung vergeblich gesucht hatte. Dazu liegt in einem eigenen Fach ein kurzes USB-A-auf-USB-C-Kabel von eher durchschnittlicher Qualität. Wer zu Hause schon ein anderes hat, kann dieses meiner Meinung nach als Reserve aufheben.

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Design

Der Hersteller bietet mehrere Ohrhörer mit ähnlichen oder nahezu identischen Funktionen an, doch eine Eigenschaft rückt in der Praxis noch vor die Fähigkeiten: die Trageweise. Bei einem Gerät für den professionellen Einsatz, etwa in persönlichen Verhandlungen, ist sie sogar wichtiger als das Design. Deshalb hat die W4 Pro ein Over-Ear-Design. Sie sitzt nicht als Stöpsel im Gehörgang, sondern stützt sich am Ohr ab.

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Das hat mehrere Vorteile, vor allem hygienische: Viele setzen ungern etwas ein, das vor ihnen schon jemand anderes mit seinem Ohrenschmalz bekannt gemacht hat. Am Verhandlungstisch wirkt das vertrauenerweckender, die Reinigung ist deutlich einfacher, und bei längerem Tragen ist es zudem bequemer. Die ergonomische Form dürfte bei rund 99 % der Nutzer ähnlich und problemlos sitzen, während Stöpsel häufig herausfallen oder zu eng sind.

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Die W4 Pro gibt es ausschließlich in dieser Farbkombination: zwei Grautöne mit etwas Schwarz, wobei letzteres auch nur ein sehr dunkles Grau sein könnte. Auf der dem Ohr zugewandten Seite markiert ein markantes Gitter den Lautsprecher, auf der Gegenseite sitzt eine Status-LED. Der auffällig lange untere Arm hat seinen Grund: Statt eines einzelnen Mikrofons am Ende gibt es mehrere. Links wie rechts arbeiten je drei Mikrofone (Triple-Mic Array) abwechselnd mit kurzen Pausen und sorgen in lauter Umgebung für präzise, klare Aufnahme der Außenquelle.

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Das ist besonders interessant, weil das klassische In-Ear-Modell W4 Plus statt vieler Mikrofone auf Knochenschall setzt, um Sprache besser zu verstehen. Diese Hybridlösung (Dual-Mixed Voice Pickup) stützt sich auf den Knochenschallsensor des Herstellers (Bone-Voiceprint Sensor) und kann Störgeräusche in den Mikrofonen vollständig ausblenden. Beim offenen Design der W4 Pro musste man darauf leider verzichten.

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Über die Materialqualität gibt es nichts zu klagen, optisch erinnert die W4 Pro aber eher an professionelle oder Büro-Headsets als an Modeaccessoires. Die Konstruktion ist robust und zugleich flexibel genug, um sie ohne Probleme aufs Ohr zu setzen. Das bequemste Paar, das ich je getragen habe, ist sie allerdings nicht: Sie liegt etwas auf Ohrläppchen und Ohrknorpel auf, während sie sich ständig an der Ohrmuschel abstützt, und beides drückte mit der Zeit. Das hängt von der individuellen Ohrform ab und war auch auf Dauer kein ernstes Problem, eine kurze Pause und eine schnelle Massage helfen. Es scheint aber, dass sie nicht für jeden uneingeschränkt bequem ist.

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Das Case überraschte mich am meisten. So ein großes Ladecase habe ich bei Ohrhörern wohl noch nie gesehen, obwohl ich schon einige in der Hand hatte. Die Außenhülle besteht bis auf die untere Hälfte ganz aus Metall, mit klaren Kanten und abgerundeten Ecken. Unabhängig von der Größe ist die Verarbeitung ausgesprochen edel, ähnlich einer Schmuck- oder Parfümschatulle, wenn auch zum Glück kleiner. Trotzdem ist es alles andere als hosentaschentauglich und wird am besten in der Tasche transportiert. Die angenehm matte, vermutlich aus Aluminium gefertigte Oberfläche habe ich auf Kratzfestigkeit nicht ernsthaft getestet.

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Besonders gefallen hat mir die Verschlussmechanik. Der Deckel lässt sich nicht aufklappen, sondern besteht aus zwei etwa gleich großen, völlig getrennten Hälften, die ein Magnet zusammenhält. Wie die beiden Schalen zusammenschnappen, ist ausgesprochen befriedigend und gut gelöst. Auch die Ohrhörer werden in ihren Mulden magnetisch gehalten, wobei die Kontakte zugleich fürs Laden zuständig sind. Die Maße sind also etwas unbegründet, und die obere Hälfte des Cases wirkt leichter als die untere. Ich vermute, dass nur im unteren Fach ein Akku steckt. Damit wurde die Chance vertan, den ungewöhnlich großen Platz für zusätzliche Kapazität zu nutzen.

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Einrichtung

Wie zu erwarten, ist das Gerät ohne Smartphone praktisch nutzlos, es sei denn, man will recht teure Ohrhörer für nicht unbedingt herausragenden Musikgenuss kaufen. Ironischerweise gibt es die App nicht auf Ungarisch. Wer sie gekauft hat, weil er kein Wort Englisch spricht, kommt vielleicht trotzdem zurecht. Man muss nur die üblichen Berechtigungen für Standort, Mikrofon und Anrufe erteilen.

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Merkwürdigerweise war die Bluetooth-Kopplung erfolgreich und die Musik lief schon über die Ohrhörer, doch die App wollte den Vorgang nicht abschließen. Also löschte ich das Gerät aus der Bluetooth-Liste und wählte in der App die manuelle Option. Beim zweiten Anlauf klappte alles reibungslos, und binnen Sekunden war ich im Hauptmenü.

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Das Menü ist englischsprachig und grellweiß, dafür aber stark vereinfacht und auf das Wesentliche reduziert. Einstellungen zu Musik oder Klang gibt es gar nicht, dafür beherrschen die vier einzelnen Übersetzungs- und Dolmetschmodi untereinander angeordnet den Bildschirm, man kann sie kaum übersehen. Wer die vier Modi versteht, aktiviert oder beendet den Übersetzungsmodus im Wesentlichen mit der großen Play/Stop-Taste.

Funktionen und Erfahrungen

Nach dem Marktstart Anfang 2025 hat der Hersteller die Liste der unterstützten Sprachen und Dialekte erweitert. Derzeit werden 54 Sprachen und doppelt so viele Akzente und Dialekte unterstützt. Wichtig: Die Magie übernimmt letztlich die App. Noch wichtiger ist, dass diese stattliche Zahl nur bei aktiver Internetverbindung gilt. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass man sich an manchen Orten und in manchen Situationen nicht auf die lebensrettenden Dolmetscherfähigkeiten verlassen kann.

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Einen Offline-Dienst gibt es zwar, doch die Liste der herunterladbaren Sprachpakete ist deutlich kürzer. Die 14 Sprachen, die auch ohne Netz funktionieren (Englisch, Chinesisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Japanisch, Koreanisch, Arabisch, Italienisch, Portugiesisch, Indonesisch, Vietnamesisch, Thailändisch), stehen in insgesamt 25 Sprachpaaren zur Verfügung. Basissprachen sind Englisch und Chinesisch, die anderen werden im Wesentlichen mit diesen kombiniert. Ungarisch hat beim Hersteller leider vorerst keine Priorität (offline gibt es es also nicht), doch bei großer Kaufnachfrage rückt es vermutlich in der Liste nach vorn. Anders als etwa bei Samsung, wo selbst die teuersten Smartphones bis heute keinen ungarischen Eintrag im integrierten Übersetzer haben, was ziemlich traurig ist.

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Wichtig ist außerdem, dass der Hersteller grundsätzlich ein Abo-System unterhält und bei einigen Produkten auch ein zweigleisiges Kaufmodell anbietet. Das Gerät ist dann günstiger zu haben, aber die fortgeschrittenen KI-Funktionen (Anrufübersetzung, Video-/Medienübersetzung, KI-Notizen) sind nach einer 7-tägigen Testphase an ein Monatsabo gebunden (ca. 14,99 $/Monat). Das kann für Leute eine realistische Option sein, die die Premiumfunktionen nur selten für einzelne Geschäftsreisen aktivieren wollen.

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Zum Glück hat der Hersteller die Sache gut durchdacht und bei der W4 Pro auf das Abomodell verzichtet. Nach einmaliger Zahlung stehen die fortschrittlichsten Funktionen unbegrenzt zur Verfügung: bidirektionales Simultandolmetschen, Anrufübersetzung, Übersetzung von Zoom-/Teams-Videokonferenzen und Medieninhalten sowie die KI-Notizfunktion AI Memo.

1. 1-on-1 Mode (persönlicher Dolmetschmodus für zwei)

Das ist die klassische und stärkste Funktion der W-Serie: bidirektionales, simultanes Dolmetschen.

  • Wie funktioniert es? Beide Gesprächspartner setzen sich jeweils einen Ohrhörer auf.
  • Beide können gleichzeitig in natürlichem Rhythmus und Tempo sprechen (Duplex-Kommunikation). Man muss nicht warten, bis der andere den Satz beendet hat: Die App übersetzt die Sprache fortlaufend in Echtzeit auf den Ohrhörer des Gegenübers.
  • Empfohlen für persönliche Geschäftsverhandlungen, Interviews, Gespräche unter vier Augen oder unterwegs auf Reisen.

2. Listen & Play / Speaker Mode (Zuhör- und Vortragsmodus)

Dieser Modus kommt zum Einsatz, wenn nicht zwei gleichberechtigte Träger miteinander sprechen, sondern einer zu einer Gruppe oder einem Publikum spricht oder der Träger einem Vortrag zuhört.

  • Listen (Zuhören): Nur Sie tragen den Ohrhörer, die Stimme des Sprechers nimmt das Mikrofon Ihres Smartphones auf und schickt sie übersetzt in Ihr Ohr.
  • Play / Speaker (Vortrag / Antwort): Sie sprechen in den Ohrhörer, der übersetzte Text wird über den Lautsprecher Ihres Smartphones für die anderen abgespielt.
  • Ideal bei fremdsprachigen Vorträgen, Präsentationen und Führungen oder wenn Ihr Gesprächspartner den zweiten Ohrhörer nicht ins Ohr stecken möchte (z. B. bei einer Straßenbefragung oder beim Einkaufen).

3. Media / Video Translation (Multimedia- und Videoübersetzung)

Eine der herausragenden Neuheiten der W4 Pro: die Live-Übersetzung von Inhalten, die auf dem Smartphone laufen.

  • Den Ton von Audio- und Videomaterial, das auf Ihrem Smartphone abgespielt oder gestreamt wird, analysiert und übersetzt die Software intern.
  • Sie kann den Ton von YouTube-Videos, Podcasts, fremdsprachigen Nachrichten, Online-Kursen und Filmen in Echtzeit übersetzen und über den Ohrhörer wiedergeben.
  • Auf dem Smartphone-Display gibt es außerdem Live-Untertitel des übersetzten Textes.

4. Voice Call & Online Meeting Translation (Anruf- und Videokonferenzübersetzung)

Die Paradefunktion des Pro-Modells, die ausdrücklich für Geschäftsleute gedacht ist.

  • Wie funktioniert es? Sie integriert sich in die Anrufverwaltung des Smartphones oder in beliebte Kommunikations-Apps (Zoom, Microsoft Teams, Google Meet, WhatsApp, Messenger usw.).
  • Bidirektionale Telefonanrufübersetzung: Sie können jemanden am anderen Ende der Welt anrufen (per normalem Mobilfunkanruf oder per Internet-App) und sprechen dabei in Ihrer Sprache in den Ohrhörer. Der Angerufene hört die KI-Übersetzung in seiner Sprache, und wenn er antwortet, erklingt die Antwort in Ihrem Ohr auf Ungarisch.
  • Untertitelung und Übersetzung von Online-Verhandlungen: Bei Videokonferenzen übersetzt sie die Stimmen der Teilnehmer live.

Weitere KI-Funktionen?

Es gibt sie! In der unteren Leiste der App findet sich ein eigener KI-Menüpunkt, und darin eine der nützlichsten Zusatzfunktionen: AI Summary. Sie fasst das Gesagte kompakt zusammen, hebt wichtige oder wiederholt genannte Passagen als wesentliche Elemente hervor und liefert somit einen Auszug des Gesprächs. Außerdem können wir in unser persönliches Wörterbuch selbst Begriffe aufnehmen, etwa Fachjargon oder Redewendungen, die uns geläufig sind, und so zu genaueren Übersetzungen beitragen. Es gibt einen Sprachübungsmodus, in dem wir mit einem KI-Lehrer wie im Englischunterricht verschiedene Situationen durchspielen können. Interessant ist auch der AI Character: Hier üben wir mit virtuellen Persönlichkeiten, die statt des Stils eines Lehrers einen individuelleren Stil, eine eigene Stimmung und einen eigenen Charakter verkörpern. Schließlich versucht die Human-like AI Voice, uns statt des üblichen maschinellen Klangs eine menschenähnliche Stimme zu bieten. Sie verbessert das Erlebnis etwas: Weniger monotone, maschinelle Betonung und Intonation tragen viel zur Nutzererfahrung bei und sind auch beim Üben besser, da sie der echten Sprechweise näherkommen. Ein Versuch lohnt sich also!

Realität

Das klingt alles schön und gut, aber wie funktioniert es in der Praxis? Nicht schlecht, aber umgehauen hat es mich nicht. Alle genannten Funktionen arbeiten, und die Zahl der unterstützten Sprachen beeindruckt. Allerdings ist der Durchschnittsmensch schon froh, wenn er eine Fremdsprache einigermaßen beherrscht, sodass sich die Unterschiede zwischen einzelnen Sprachen oft schwer beurteilen lassen. Aufgefallen ist mir jedenfalls, dass die KI trotz allem den Kontext oft nicht erfasst und ein falsch verstandenes Wort den ganzen Satz kippen kann.

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Einmal ruhten abends andere in meiner Nähe, und ich versuchte, leise zu sprechen. Das Mikrofon ließ das erste Wort des Satzes aber auch nach vielen Versuchen weg, sodass aus meiner Frage eine Aussage wurde, mit völlig anderem Ergebnis. Für die Medienübersetzung brauchte es kein Mikrofon, denn auf dem Smartphone lief YouTube, mit dem sich die W4 Pro verband, mit mehr oder weniger Erfolg.

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Zunächst ist wichtig: Bei einer Verhandlung oder einem Interview können sich die Beteiligten gegenseitig Zeit geben, die Übersetzung anzuhören. Bei einem Podcast oder einem fremdsprachigen Stream passiert das nicht. So war der Streamer schon mindestens drei Sätze weiter, als die Übersetzung des ersten ankam. Individuelle Wendungen und Slang traf sie nicht immer, das Ergebnis war eher verständlich als punktgenau. Dafür ist es eine großartige Lösung, dass bei einem Telefonat der Gesprächspartner ausschließlich die Übersetzung hört. Ohne unser fremdsprachiges Kauderwelsch lässt sich so schnell und klar sprechen.

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Im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht sollte man dagegen kurze Pausen lassen, damit das Gespräch nicht zu einem Wortschwall wird. Ansonsten verstand sie mich in den meisten Fällen hervorragend und übersetzte sauber. Eine interessante Kleinigkeit: Einmal waren die beiden Ohrhörer offenbar so nah beieinander, dass Tonfetzen von einer Seite die andere irritierten und diese aufgeschnappte Wörter zu übersetzen versuchte. Das Ergebnis war ziemlich komisch.

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Apropos: Eine Geräuschisolierung gibt es praktisch nicht, Außengeräusche übertönen daher meist, was wir hören. Bauartbedingt fehlt eine passive Dämmung, die plätscherndes Wasser oder lauten Fahrzeuglärm einigermaßen ausblenden könnte. Man sollte das Gerät also möglichst nicht in zu lauter Umgebung nutzen. Eine WC-Spülung ruinierte das Erlebnis komplett, bei maximaler Lautstärke wiederum zerrt der Ohrhörer am Trommelfell. In manchen Situationen ist er schlicht nicht ideal. Er gehört an den Verhandlungstisch, ins Büro oder vielleicht ins Café, nicht aber zum Staubsaugen.

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Gut gefällt mir, dass wir die Übersetzung auch als Text bekommen und bei Bedarf einfach mitlesen können. Man kann zwischen männlicher und weiblicher Vorlesestimme sowie dem Stil wählen und ausprobieren, was einem am besten gefällt. Einen Vergleich habe ich leider nicht, aber nach den verfügbaren Erfahrungsberichten kommt die W4 Plus aus irgendeinem Grund besser mit komplizierteren sprachlichen Inhalten zurecht. Das ist völlig unbegründet, wenn man bedenkt, dass nicht der Ohrhörer selbst übersetzt, sondern die App und der dahinterstehende Dienst. Tatsache ist dagegen, dass die Knochenschall-Geräuschunterdrückung effektiver ist: Sie arbeitete präziser als die Mikrofonbündel der Pro.

Akkulaufzeit

Die Laufzeit hängt stark vom Einsatz ab. Beim Übersetzen kann man mit 6 Stunden rechnen. Bei einfachen Telefonaten steigt sie auf 8 Stunden, und beim reinen Musik- oder Podcast-Hören sind die vom Hersteller versprochenen 12 Stunden durchaus realistisch. Das bleibt vielleicht hinter manchen kräftigeren Ohrhörern zurück, erscheint für ein professionelles Gerät aber angemessen. Und bei ernsteren Besprechungen gibt es sicher kurze Pausen, in denen sich nachladen lässt.

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Das Paar lädt in etwa 50 bis 60 Minuten vollständig auf, das Case in rund anderthalb Stunden auf 100 %. Das Case liefert zudem 14 Stunden Reserve, sodass insgesamt 20 Stunden Simultandolmetschen zur Verfügung stehen, bevor dem Set endgültig die Puste ausgeht. Kabelloses Laden wird leider nicht unterstützt, obwohl in einem so großen Gehäuse Platz für solche Feinheiten gewesen wäre. Geladen wird also nur per USB-C-Kabel.

Brauche ich das?

Marktführer zu sein, ist nichts Kleines, erst recht beim Simultandolmetschen. Das Gesamtpaket von Timekettle ist vermutlich deutlich besser als das, was ein Smartphone mit einem beliebigen KI-Dienst leistet, ganz zu schweigen von der praktischen Lösung mit zwei Ohrhörern. Die gründliche Kenntnis von Dialekten und Akzenten ist ein starkes Argument. Allerdings konnte ich das Gerät nicht in professioneller Umgebung testen, und man muss kein Dolmetscher-Niveau in Englisch haben, um Ungeschicklichkeiten und Ungenauigkeiten zu bemerken. Literatur und Slang würde ich ihr nicht unbedingt anvertrauen, die Genauigkeit ist aber insgesamt hoch, die Reaktionszeit gut und die Laufzeit für die Aufgabe korrekt.

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Im Grunde macht das also richtig Spaß, ist aber kein Spielzeug. Man muss Zeit investieren, um in der jeweiligen Situation mit der passenden Einstellung das Meiste herauszuholen. Wer viel reist oder beruflich oder privat häufig mit Menschen kommuniziert, mit denen er keine gemeinsame Sprache hat, sollte die W4 Pro in Betracht ziehen. Sicher ist aber auch, dass sich viele mit der gerade besten Übersetzungs-App auf ihrem Smartphone begnügen. Dem Hersteller spreche ich jedenfalls den Preis für Innovation zu: Er hat zehn Jahre in die Technologie investiert, in ein Gerät, das in professioneller Umgebung einen Simultandolmetscher ersetzen kann. Für Berufsdolmetscher ist das natürlich keine gute Nachricht, auch wenn sich bei protokollarischen Anlässen vermutlich weiterhin jeder auf seinen persönlichen oder zugewiesenen Dolmetscher verlässt.

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Das riesige Ladecase ist etwas übertrieben, zumal es keine extreme Laufzeit bietet. Der Komfort ist stark subjektiv, und die Geräuschisolierung ist gut, solange es um den zu übersetzenden Text geht und nicht um die Geräusche, die in unser Ohr gelangen. Insgesamt ein gutes und interessantes Produkt. Es kann aber mehrere Situationen geben, in denen die KI durcheinanderkommt, etwas falsch versteht oder Wörter gar nicht erkennt, besonders bei Fachbegriffen, literarischer Sprache, Slang und vor allem bei gegebenem Kontext. Die Bedienoberfläche der App könnte wirklich auch auf Ungarisch verfügbar sein, wenn die Übersetzung schon ihre Hauptfunktion ist.

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7.9
Die W4 Pro ist einer der fortschrittlichsten Vertreter einer spannenden Produktkategorie und dolmetscht nahezu jede Sprache, auf die wir stoßen können. Irrtümer und Missverständnisse bleiben aber auch hier nicht aus, und den Preis rechtfertigt vor allem häufige Nutzung.
+ Recht genaue allgemeine Übersetzung
+ Schnelles Dolmetschen
+ Unterstützt die meisten Sprachen und Dialekte
+ Intelligente Notizfunktion
+ Kein Abo, alle Funktionen verfügbar
- Auch diese KI versteht individuellen Kontext nicht
- Irrt und fehlt in manchen Situationen ebenfalls
- Nicht billig, als Hobby nicht unbedingt lohnend
- Unnötig großes Ladecase
- Drückte bei mir nach einigen Stunden aufs Ohr
Design
7.5
Innovation
9.0
Specification
8.0
Reliability
7.5
Price/Performance
7.5
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