Samsung hatte auf dem Smartphone-Markt schon den einen oder anderen Skandal, doch rechtliche Konsequenzen blieben dabei meist aus. Diesmal hat es das Unternehmen tatsächlich erwischt. Ernsthaft schaden dürfte die Strafe dem Konzern zwar nicht, den Verlust der Mobilsparte vergrößert sie aber minimal.
Die südkoreanische Wettbewerbsbehörde (Korea Fair Trade Commission) verhängte gegen den Hersteller eine Geldbuße von 20,1 Milliarden Won wegen eines Verstoßes aus dem Jahr 2022. Betroffen waren die Baureihen Galaxy S21, Galaxy S22 und Galaxy Tab S8.
Die umgerechnet 15,1 Millionen US-Dollar hohe Strafe erhielt Samsung im sogenannten „GOS-Skandal“, nach einem Verfahren, das mehr als vier Jahre gedauert hat. Die Untersuchung der Behörde kam zu dem Ergebnis, dass der Technologiekonzern seine Kunden getäuscht hatte: Er verschwieg, dass der in die Geräte eingebaute Game Optimizing Service (GOS) im Hintergrund die Leistung der Hardware drastisch drosseln konnte.
Sie erinnern sich nicht mehr genau, worum es ging? „… beim Test der Samsung-Galaxy-S22-Serie fand ein YouTuber heraus, dass die Smartphones nicht bei jeder App die verbaute Hardware voll ausschöpfen können. Schnell stellte sich heraus, dass ein zuvor eingeführter Dienst des Unternehmens dafür verantwortlich ist: der Game Optimizing Service. Bei mehr als 10.000 Apps kann der GOS die Leistung so optimieren, dass er die Auslastung des Chips begrenzt – das Smartphone also im Grunde ausbremst.“ So berichteten wir damals.
Zur Begründung führte die Wettbewerbsbehörde an, Samsung habe die Geräte in seiner Werbung aggressiv als Smartphones mit dem „ultimativen mobilen Spielerlebnis“ (the ultimate mobile gaming experience) beworben, die Verbraucher aber nicht über die im Hintergrund laufenden Einschränkungen informiert. Der Hersteller habe das Vertrauen der Nutzer eindeutig missbraucht und Käufer mit irreführendem Marketing getäuscht.
Die Untersuchung ergab, dass der GOS nicht nur bei tatsächlicher Überhitzung des Geräts eingriff, um die Erwärmung zu begrenzen und die internen Komponenten zu schützen. Beim Start bestimmter hardwareintensiver Spiele setzte er vielmehr sofort eine vorab festgelegte Leistungsgrenze durch – unabhängig vom Zustand des Smartphones.
Den Messungen zufolge begrenzte das System in bestimmten Fällen den Takt von Prozessor und Grafikeinheit drastisch auf rund 30 Prozent der theoretischen Höchstleistung der Hardware.
Das künstlich gebremste Tempo ging in der Praxis zulasten des Nutzererlebnisses. Wenn der Hintergrunddienst die Leistung plötzlich zurückfuhr, äußerte sich das oft in Rucklern und Freezes. Häufig schlug sich die unauffällige, stille Arbeit des Game Optimizing Service auch in schlechterer Grafik und geringerer Auflösung nieder. Die Nutzer kamen gar nicht auf die Idee, dass ein von Samsung entwickeltes Werkzeug für das „merkwürdige“ Spielgefühl verantwortlich sein könnte.
Nach Bekanntwerden der Affäre wurden in Südkorea, den USA und Israel insgesamt acht Zivilklagen gegen das Unternehmen eingereicht. Nach den vorliegenden Informationen endete keine davon mit einer Entschädigung (das südkoreanische Gericht wies die individuellen Schadensersatzforderungen ab, weil die Kläger einen unmittelbaren persönlichen Vermögensschaden nicht im Einzelnen belegen konnten). Die Wettbewerbsbehörde nahm das Unternehmen dennoch in die Pflicht.
Die KFTC untersuchte nicht die individuellen Schäden, sondern ob die Werbung des Herstellers geeignet war, den Markt und die Käufer zu täuschen. Das konnten die Wettbewerbsexperten zweifelsfrei feststellen.
































