Das System heißt WISPIT 2, befindet sich 430 Lichtjahre von der Erde entfernt und umfasst zwei Sterne, die sehr nahe beieinander kreisen. Die Sterne sind von einer protoplanetaren Scheibe umgeben – dabei handelt es sich um eine rotierende Materiewolke, die in jungen Sternsystemen vorkommt und sich später zu Planeten zusammenballt –, und in dieser Scheibe haben Astronomen Hinweise auf die Existenz von zwei Planeten gefunden.

Der erste Planet, WISPIT 2b, wurde 2025 entdeckt. Seine Masse beträgt das Fünffache der von Jupiter, und er umkreist die Sterne des Systems in etwa der doppelten Entfernung, in der Neptun die Sonne umkreist. Das Material, das sich zu dem Planeten ansammelt, hat bereits eine Lücke in der protoplanetaren Scheibe gebildet, während sein Nachbar, WISPIT 2c, bislang nur eine kleinere Lücke im umgebenden Material geschaffen hat.

Es ist nicht das erste Mal, dass es gelungen ist, einen Planeten in der Anfangsphase seiner Entstehung zu erfassen. Der berühmte, Jupiter-große Planet, der sich um den Zwergstern PDS 70 bildet, wurde bereits vor Jahren beobachtet. WISPIT 2b ist jedoch etwas Besonderes: Dank des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA), eines riesigen chilenischen Radioteleskop-Systems, ist WISPIT 2 das erste System, in dem gleichzeitig die protoplanetare Scheibe, der sich bildende Planet sowie das in Richtung des Planeten wirbelnde Gas gleichzeitig sichtbar sind.

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„Wir sehen ganz deutlich, dass beide Planeten ihre Umgebung formen. WISPIT 2c hat eine Vertiefung ausgehöhlt, WISPIT 2b hingegen eine Lücke“, erklärte Myriam Benisty, Forscherin am Max-Planck-Institut für Astronomie und Hauptautorin einer Studie in der über die Ergebnisse berichtet wird. „Wir haben um WISPIT 2b herum Gaswirbel entdeckt, die in Simulationen der Wechselwirkungen zwischen der Scheibe und dem Planeten vorhergesagt wurden, die wir aber bisher noch nie tatsächlich gesehen hatten. Doch nun haben wir endlich auch Bilder davon!“

Das wirbelnde Gas erscheint als eine Reihe von Pixeln, was für das Laienauge vielleicht nicht besonders spektakulär aussieht, für die Forscher jedoch ein phänomenaler Erfolg ist. Aus einer Entfernung von mehr als 400 Lichtjahren so viele Details zu beobachten, sei so, als könne man aus 5 Kilometern Entfernung ein Buch lesen, sagen sie.

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Diese Forschung ist auch ein wichtiger Schritt zum Verständnis eines bislang ungelösten Aspekts der protoplanetaren Scheiben: Sind diese Gaswirbel immer mit der Planetenentstehung verbunden, oder ist das nicht der Fall? In der wissenschaftlichen Gemeinschaft wird darüber heftig diskutiert, da ähnliche Wirbel bereits in anderen Systemen beobachtet wurden, in denen es jedoch bislang keine Beweise für die Existenz von Planeten gibt. Ist es möglich, dass auch in diesen Fällen unentdeckte Planeten die Wirbel antreiben? Die andere Möglichkeit ist, dass diese Gasformationen von selbst in besonders turbulenten Scheiben entstehen und nicht als Anzeichen für die Anwesenheit von Planeten herangezogen werden können.

„Hoffentlich lehren solche Beobachtungen die Astronomen, die Merkmale von Scheiben, die auf die Anwesenheit eines Protoplaneten hindeuten, von denen zu unterscheiden, die keinen Hinweis darauf geben“ – fügte Stefano Facchini hinzu, einer der Initiatoren der Forschung, die zu den neuen Ergebnissen führte. Den Forschern zufolge können sie mit Observatorien der neuen Generation wie dem Extremely Large Telescope und dem Giant Magellan Telescope sowie den geplanten Weiterentwicklungen von ALMA in Regionen nach Anzeichen für wirbelndes Gas suchen, die viel näher am Zentralstern liegen als WISPIT 2b.

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