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Leserbewertung

90

Als das Studio Polyarc 2018 das Spiel „Moss“ erstmals vorstellte, waren sich die Gamer einig, dass damit eines der prägendsten und wegweisendsten Werke der VR-Branche entstanden war. Die Geschichte der kleinen Maus Quill bewies, dass VR nicht nur ein Feld für Shooter, Kampfspiele oder Tech-Demos sein kann, sondern auch für emotionale und unglaublich zauberhafte Third-Person-Abenteuer.

Aufgrund der hohen Preise für VR-Headsets und der damaligen relativen Isolation der Technologie blieben jedoch unzählige Spieler von diesem Wunder ausgeschlossen. Die Entwickler und der Publisher versuchten, diese unhaltbare Lücke zu schließen, als sie im Juli dieses Jahres die Veröffentlichung „Moss: The Forgotten Relic“ auf den Markt brachten. Diese neu konzipierte Sammlung ist kein einfacher Port, denn die Entwickler haben die Geschichten des ursprünglichen „Moss“ und von „Moss: Book II zu einem einzigen, zusammenhängenden Abenteuer zusammengefügt, das auf herkömmliche „flache“ Bildschirme zugeschnitten ist, und es mit der Erweiterung „Twilight Garden“ angereichert. Das Endergebnis ist eine Reise mit einer zauberhaften Atmosphäre, die ein lebender Beweis dafür ist, dass ein wirklich gutes Spiel nicht unbedingt von der Plattform abhängt und dass gutes Geschichtenerzählen in jedem Format die Herzen erobern kann.

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Indem wir die Seiten eines gigantischen Buches umblättern, lernen wir die Geschichte dieser Welt kennen, bevor wir aktiv Teil der Handlung werden. Aus dem Prolog geht hervor, dass eine schreckliche Katastrophe (Cinder Night) zum aktuellen Zustand der Welt von „Moss“ geführt hat, als die grausame Schlange Sarffog und die arkanen Armeen aus der Unterwelt hervorbrachen, um die Welt zu verwüsten. Ihr Ziel war es, das „King’s Glass“ zu erlangen, ein uraltes Relikt von unvergleichlicher Macht, und obwohl einige den Angriff überlebten, lebt die Welt seitdem im Schatten der Dunkelheit.

In dieser düsteren und doch märchenhaft schönen Umgebung lernen wir Quill kennen, die winzige, aber umso mutigere Maus, die auf ihren Abenteuern zufällig auf einen magischen Glassplitter stößt, was sie ungewollt zur Heldin und Auserwählten macht. Ein zentrales Element des Spiels wird auch jene ständige Dualität sein, durch die wir von Zeit zu Zeit hinter die vierte Wand blicken, aber dabei sind wir nicht nur äußere Beobachter, sondern aktive Gestalter der Geschichte, deren Anwesenheit auch der Held wahrnimmt.

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Mit „Forgotten Relic“ hat Polyarc die beiden ursprünglich getrennten Titel zu einem einzigen Spiel und einem zusammenhängenden, sich harmonisch ergänzenden Erlebnis verschmolzen. Während „Book I“ eher ein einführendes Abenteuer ist, das uns die Besonderheiten der Welt, ihre Funktionsweise und die grundlegenden Spielmechaniken näherbringt, schaltet „Book II“ alles einen Gang höher und erweitert das Spielerlebnis. Im ersten Teil drehen sich die Rätsel größtenteils um die Manipulation der Umgebung: Wir schieben riesige Steinblöcke hin und her, Plattformen anheben oder absenken, um unserem kleinen Helden den Weg zu ebnen; später müssen wir jedoch auch die feindlichen arkanen Käfer unter unsere Kontrolle bringen, um sie beispielsweise auf einen druckempfindlichen Schalter zu setzen. Die Rätsel sind nicht schwer, aber auch nicht so einfach, dass man sie auf Anhieb lösen kann.

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Im zweiten Buch, wie bereits erwähnt, werden die Spielmechaniken erheblich erweitert. Quill erlangt neue Fähigkeiten und Waffen, und neben dem einfachen Schwertkampf kommen nun das Werfen von Chakrams, ein zerstörerischer Hammer sowie – durch das Aufladen des Schwertes – ein schneller Angriff (Dash) hinzu, mit dem wir auch über größere Abgründe hinweggleiten können.

Auch wir als Leser/Spieler werden in das Gameplay eingreifen können, indem wir die früheren Arkan-Käfer „einfangen“ und bewegen, aber wir werden beispielsweise auch in der Lage sein, Ranken wachsen zu lassen, die Quill als Brücke oder Kletterhilfe dienen. Auch die Rätsel werden viel umfangreicher und grandioser, und die Bosskämpfe werden ab dem zweiten Buch deutlich spektakulärer und herausfordernder.

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Quills Animationen sind einfach niedlich geworden, und die Entwickler haben bewusst erhebliche Ressourcen dafür aufgewendet – was man am Endergebnis auch spürt. Auch in der VR-Version war es ein zentrales Element, wie Moss mit uns kommuniziert: Sie schaut zu uns auf, um um Hilfe zu bitten, zeigt auf eine Aufgabe oder ein wichtiges Objekt im Umfeld – und es ist auch ein herzerwärmendes Erlebnis, wenn wir nach einer erfolgreich gelösten Aufgabe mit ihr abklatschen können. Es ist selten, dass ein Spiel solche Interaktionen einsetzt, um beim Spieler eine Art emotionale Bindung zur Hauptfigur aufbaut – wir wollen dieses winzige Wesen in dieser gigantischen, von Dunkelheit und Gefahren erfüllten Welt, in der die Natur die Ruinen langsam zurückerobert, beschützen und verteidigen.

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Das Kampfsystem ist einfach, doch der Waffenwechsel und unsere „göttlichen“ Eingriffe sorgen für dynamische Kämpfe – das Ergebnis ist eine spannende, rasante, aber zugleich leicht vorhersehbare Dynamik. Besonders interessant ist, dass die Entwickler dem Spiel eine neue „Skip Combat“-Option hinzugefügt haben, mit der man Kämpfe überspringen kann.

Diese Funktion zur Chancengleichheit – die jederzeit, sogar bei Bosskämpfen, aktiviert werden kann – ist einerseits eine großartige Nachricht für jene Spieler, die ausschließlich wegen der Geschichte und der Rätsel dabei sind und nicht an einem oder anderen schwierigeren Kampf scheitern möchten. Andererseits hat diese Neuerung in den Foren auch Fragen und Stirnrunzeln hervorgerufen, da es nicht zwingend erforderlich ist, mit Moss zu spielen, und durch diese Erleichterung ein sehr wichtiges und zentrales Element des Spiels wegfällt.

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Zwar gehört das durch die VR erzeugte Gefühl von Tiefe nun der Vergangenheit an, dafür begeistert uns das Spiel mit einer viel höheren Auflösung, schärferen Texturen und verbesserten visuellen Effekten. Die winzigen Pilzhäuser, die mit Moos bewachsenen Baumstämme, die verfallenen Gewächshäuser, die Innenräume, die kleinen Ortschaften und die majestätischen Statuen – jeder einzelne Schauplatz in den Wäldern ist akribisch ausgearbeitet. Auch die Licht- und Schatteneffekte sind sehr schön gelungen, wobei anzumerken ist, dass an dunkleren Schauplätzen die Spiegelungen auf dem Bildschirm die Orientierung manchmal erschweren können, insbesondere in der Handheld-Version.

Die Atmosphäre wird durch die großartige Orchesterbegleitung des genialen Komponisten Jason Graves abgerundet; die Melodien sind mal melancholisch und geheimnisvoll, mal episch und stehen in perfekter Resonanz zu den gerade stattfindenden Ereignissen. Auch die Synchronisation durch den einzigen Erzähler, Morla Gorrondona, ist makellos, denn der Erzähler erweckt die äußerst facettenreichen Charaktere durch feine Nuancen in seiner Stimmlage in herausragender Qualität zum Leben, und das zudem in einer Atmosphäre, als würde ein Elternteil seinem Kind gerade eine Gutenachtgeschichte vorlesen.

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In „The Forgotten Relic“ erhalten wir also nicht nur ein, sondern gleich zwei vollwertige, miteinander verknüpfte Spiele sowie eine Erweiterung; die Umsetzung für den Flachbildschirm ist hervorragend gelungen, die Grafik ist wunderschön, die Rätsel sind nach wie vor einfallsreich und die erweiterten Spielmechaniken sorgen für ein unterhaltsames Spielerlebnis.

Für alle, die dieses Abenteuer bisher aufgrund der Plattform-Exklusivität oder der technischen Anforderungen verpasst haben, ist „Forgotten Relic“ ein absolutes Muss. Dieses Spiel kann für die ganze Familie ein spannendes und herzerwärmendes Abenteuer sein und uns zeigen, dass wahrer Mut nicht von der Größe abhängt, sondern dass auch die kleinsten Helden die Welt verändern können – vorausgesetzt, es gibt jemanden, der an sie glaubt.

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Zusammenfassung

Bewertung von Autoren

Eine bezaubernde, gefühlvolle Geschichte.
Quill ist einer der liebenswertesten und ausdrucksstärksten Helden in der Geschichte der Videospiele – es erwarten uns clevere, kreative Rätsel, wunderschöne Grafik und eine herzerwärmende Geschichte…
…an dunkleren Orten kann die Orientierung jedoch aufgrund von Lichtreflexen etwas schwierig sein, und auch die Kamerahandhabung erschwert uns die Arbeit gelegentlich.

Leserbewertung (2)

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